Process Mining hebt Optimierungspotentiale bei Produktionsunternehmen

Darmstadt, 07.03.2019 – Bei vielen Unternehmen befinden sich Tag und Nacht Produktionsanlagen im Einsatz. Diese Anlagen produzieren permanent Unmengen ungenutzter Daten. Aus diesem Datenschatz lassen sich Möglichkeiten zur Kosteneinsparung und Umsatzsteigerung ablesen. Wie kann zum Beispiel eine Optimierung der Anlagennutzung auf Basis von Maschinendaten erreicht werden?

Bei unserer diesjährigen Online Konferenz AprilTalks 2019 am 28. März präsentiert Gerrit Kohrs, Leiter des Geschäftsbereichs BPM der SDG Group, wie Process Mining einem Hersteller von Produktionsmaschinen dabei hilft, diese versteckten Potentiale zu heben. Mit zusätzlichen Angeboten unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei der optimalen Nutzung und Kalibrierung der eingesetzten Anlagen und vermag so die Zufriedenheit der Kunden deutlich zu steigern.

Wir haben mit Gerrit Kohrs über Process Mining und die Optimierung der Anlagennutzung auf Basis von Maschinendaten gesprochen. Er ist seit etwa 10 Jahren in den Bereichen Analytics, Planning, Predictive und BPM tätig.

PAF: Herr Kohrs, die SDG engagiert sich stark im Bereich Process Mining. Was war ausschlaggebend, sich intensiver mit dieser Disziplin zu beschäftigen?

Gerrit Kohrs: Unternehmen werden immer besser im Umgang mit Daten. Interessanterweise steht hier noch immer die Analyse von Kennzahlen im Vordergrund. Wie die Kennzahl zustande kommt und wie man den Prozess dahinter optimiert, wird nur selten hinterfragt. Mit Process Mining sehen wir hier immenses Potential, um die Qualität von Kennzahlen zu verbessern und somit die Steuerung von Unternehmen erfolgreicher zu gestalten. Durch Process Mining kann man auch die Ursache und nicht nur – wie so häufig – das Symptom angehen. Wir analysieren nun nicht mehr nur das Ergebnis in Form klassischer KPIs, sondern bereits den Prozess, der zu diesem Ergebnis geführt hat. Damit können wir Entwicklungen bereits erkennen, bevor sie das Ergebnis beeinflussen.

PAF: In welchen Anwendungsbereichen hat man sich von Process Mining den größten Nutzen versprochen? Welches Einsatzszenario war für Sie neu oder am spannendsten?

Gerrits Kohrs: Bei etlichen unserer Kunden haben wir sofort Potential in den Standardprozessen gesehen, wie zum Beispiel im Vertrieb, im Einkauf oder bei der Rechnungsbearbeitung. Für einen raschen Einstieg in das Thema und schnelle erste Erfolge ist dies für uns auch ein guter Startpunkt.
Am spannendsten fand ich persönlich die Optimierungspotentiale bei Produktionsunternehmen, die wir durch die Kombination von Process Mining mit Maschinendaten, Predictive-Ansätzen und klassischen Kennzahlen heben können. Zeigen Maschinendaten beispielsweise hohe Stillstand- oder Rüstzeiten, liefert die Analyse des Fertigungsprozesses anhand von Fertigungsauftragsdaten die Gründe dazu. Wird regelmäßig der Arbeitsplan geändert, nachdem das Werkzeug bereits gewechselt wurde? Kann ein Bearbeitungsschritt häufig nicht starten, weil der Auftrag nicht freigegeben, die Stückliste unvollständig oder das benötigte Material nicht verfügbar war? Hier können wir mit der Process Mining-Technologie, unserem umfassenden Prozessverständnis und unserem BI-Know-How einen riesigen Mehrwert generieren und damit auch nach vorne gerichtet die Produktionsplanung deutlich verbessern.

PAF: Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der die Möglichkeiten von Process Mining zum ersten Mal evaluieren möchte? Vor welchem Fehler würden Sie ihn gerne bewahren wollen?

Gerrit Kohrs: Aus unserer Sicht sind es die bekannten sechs Worte, die unsere Projekte erfolgreich machen: Think Big | Start Small | Learn Fast. Lassen Sie mich dies kurz näher beschreiben:

  • Think Big: Schauen Sie über den Tellerrand und denken Sie daran, was Sie morgen beschäftigen wird, bevor Sie sich für eine Technologie oder ein Tool entscheiden.
  • Start Small: Bilden Sie einen Use Case und bilden Sie diesen in einem 5-10 tägigen PoC ab. Auf diese Weise haben Sie schnell erste verwertbare Ergebnisse, schaffen Begeisterung für Ihr Vorhaben und sichern sich die Unterstützung, die Sie für Ihre nächsten Schritte brauchen.
  • Learn Fast: Seien Sie selbstkritisch und bleiben Sie nicht stehen. Nutzen Sie Prototyping, um Ihre Idee bzw. die Lösung immer wieder gemeinsam mit den Anwendern zu testen, anzupassen und so auf Veränderungen zu reagieren.

 

PAF: Welche Entwicklungen erhoffen Sie sich rund um Process Mining und angrenzende Disziplinen wie Robotic Process Automation, Business Intelligence und KI?

Gerrit Kohrs: In den angesprochenen Disziplinen sind wir meiner Ansicht nach auf einem guten Weg. Viel wichtiger finde ich, dass in Unternehmen noch mehr Verständnis für Prozesse und das signifikante Optimierungspotential entsteht. Fragen Sie sich selbst, wie oft Sie Tätigkeiten nach Vorschrift machen, anstatt nach Sinnhaftigkeit. Und streichen Sie den Satz: “Aber das haben wir doch immer so gemacht”.

PAF: Herr Kohrs, wir danken Ihnen für das Gespräch! Das sind sehr informative Einblicke in Ihre Arbeit bei SDG sowie im Umfeld von Process Mining!
Über SDG

Mit über 800 Beratern ist die SDG Group ein global agierendes Beratungsunternehmen. Schwerpunkte sind: Business Intelligence, Corporate Performance Management, Process Mining und Predictive Analytics. Seit Gründung im Jahr 1991 hat sich SDG zu einem führenden Unternehmen für die Konzeption und Implementierung von Controlling-, Planungs-, Analyse- und Prognoselösungen entwickelt.

AprilTalks 2019

Wir bei der PAF freuen uns bereits auf dem Vortrag von Herrn Kohrs. Geht es Dir ähnlich? Dann registriere Dich für die AprilTalks und lasse Dich von Herrn Kohrs Vortrag „Process Mining extended – Exploring the IoT-Dimension“ inspirieren! Er wird praxisbezogen auf die Themen eingehen, die in diesem Interview angesprochen wurden.